So arbeitet Brandenburg mit BIM: Ortsumgehung Markendorf an der B87
- Erschienen amWas gebaut wird
Im Osten Brandenburgs entsteht derzeit ein bedeutendes Infrastrukturvorhaben: die Ortsumgehung Markendorf im Zuge der Bundesstraße 87. Das Projekt umfasst den dreistreifigen Neubau der Ortsumgehung sowie den Ausbau der freien Strecke zwischen der bereits fertiggestellten OU Müllrose und der OU Markendorf. Insgesamt entsteht eine rund sechs Kilometer lange Verbindung, die eine bestehende Netzlücke schließt und die Verkehrsqualität in der Region deutlich verbessert.
Mit dem Projekt werden mehrere Ziele verfolgt:
− Entlastung der Ortsdurchfahrt Markendorf, die heute stark vom Durchgangsverkehr geprägt ist.
− Verbesserung der Verkehrssicherheit durch eine leistungsfähige, moderne Straßenführung.
− Stärkung der regionalen und überregionalen Verbindungen, insbesondere zwischen Frankfurt (Oder), Dresden, Beeskow und Lübben.
− Bessere Anbindung an die Autobahnen A 12 und A 13, die für Pendlerinnen und Pendler sowie für den Wirtschaftsverkehr eine zentrale Rolle spielen.
Zum Gesamtvorhaben gehören außerdem neun neue Bauwerke, darunter Brücken und Durchlässe. Die Ortsumgehung ist Teil des Bundesverkehrswegeplans 2030, Träger des Vorhabens ist die Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch die Straßenbauverwaltung des Landes Brandenburg.
Wie die BIM-Methode zum Einsatz kommt
Seit Beginn der Planung im Jahr 2021 wird das Projekt mit BIM bearbeitet. Bereits in der frühen Phase wurden acht Varianten und Untervarianten entwickelt - jeweils sowohl in klassischer 2D-Planung als auch als digitales 3D-Modell. Das ermöglicht es, unterschiedliche Lösungen anschaulich zu vergleichen und ihre Auswirkungen besser zu bewerten.
Für die Leistungsphasen 1 bis 4 wurden zwei Ingenieurbüros beauftragt: eines für Verkehrsanlagen und Brücken, eines für Umwelt- und Landschaftsplanung. Die Festlegung der endgültigen Vorzugsvariante steht noch aus.
Welche Aufgaben mit BIM bearbeitet werden
BIM kommt in einer Vielzahl von Anwendungsfällen zum Einsatz, unter anderem bei:
− der Erfassung des Bestands,
− der Baugrunduntersuchung,
− der Variantenuntersuchung,
− Visualisierungen für Fachleute und Öffentlichkeit,
− Bemessung und Nachweisführung,
− der Koordination aller beteiligten Gewerke,
− der Erstellung von Entwurfs- und Genehmigungsplänen,
− der Kosten- und Terminplanung,
− der Logistik- und Flächenkoordination sowie
− der Planungsfreigabe.
Mit jeder Leistungsphase steigt der Detaillierungsgrad der Modelle - vom groben Konzept bis hin zu präzisen Bauteilinformationen. Als zentrale Datenplattform nutzt das Projekt das Common Data Environment (CDE) "EPLASS" des Anbieters Thinkproject. Dort laufen alle Informationen zusammen, sodass alle Beteiligten stets mit denselben, aktuellen Daten arbeiten. Gestartet ist das Projekt noch auf einer eigenen Projektinstanz und wird derzeit auf die Instanz des Landesprojekts migriert. Trotz des gleichen Produktnamens müssen sich die Projektbeteiligten mit unterschiedlichen Konfigurationen und Fragen der Datenhaltung auseinandersetzen. Für den Migrationszeitpunkt wurde ein Leistungsphasenwechsel gewählt. Dieser Teilschritt ermöglicht den Beteiligten wertvolle Erfahrungen zu sammeln, denn über den Lebenszyklus eines Bauprojekts hinweg wird es immer wieder die Notwendigkeit geben, die Projektdaten in andere Systeme zu überführen.
Ein externes Ingenieurbüro unterstützt den Landesbetrieb beim BIM-Management. Es hat unter anderem die Auftraggeber-Informationsanforderungen (AIA) und den BIM-Abwicklungsplan (BAP) mitentwickelt und begleitet das Projektteam dabei, die definierten BIM-Ziele einzuhalten.
Was wir im BIM-Pilotprojekt gelernt haben
Die Arbeit mit BIM hat dem Projektteam wertvolle Einblicke gegeben - und gezeigt, wie anspruchsvoll die digitale Zusammenarbeit sein kann. Besonders die interdisziplinäre Zusammenarbeit stellte eine Herausforderung dar. Planerinnen und Planer aus verschiedenen Fachbereichen brachten unterschiedliche Erfahrungen, Arbeitsweisen und Erwartungen mit. Das ist normal, aber im digitalen Modell wird es sichtbarer und muss aktiv moderiert werden.
Während der Modellprüfung zeigte sich zudem, wie groß die Informationsmenge werden kann, wenn viele Teilmodelle in einem Koordinationsmodell zusammengeführt werden. Die Kunst besteht darin, diese Datenflut so zu strukturieren, dass sie für alle Beteiligten verständlich und nutzbar bleibt.
Hinzu kam, dass zu Projektbeginn bundesweite Standards für BIM noch nicht ausreichend etabliert waren. Viele Prozesse mussten daher gemeinsam entwickelt, abgestimmt und im Projektverlauf weiter verfeinert werden. Das betrifft zum Beispiel die Frage, wie Umweltdaten im Modell abgebildet werden. Da passende Datenstrukturen und Klassifikationen fehlten, musste die Attribuierung neu gedacht und aufgebaut werden.
Ein Fazit mit Blick nach vorn
Die Erfahrungen aus dem Pilotprojekt zeigen deutlich: BIM bietet enorme Potenziale - aber es ist ein Lernprozess. Nicht alle Möglichkeiten werden heute schon vollständig ausgeschöpft. Damit die Methode ihre Stärken noch besser entfalten kann, braucht es:
− klare und einheitliche Standards,
− abgestimmte Arbeitsweisen zwischen allen Fachdisziplinen,
− und eine kontinuierliche Weiterentwicklung der digitalen Zusammenarbeit.
Brandenburg geht diesen Weg konsequent weiter. Das Pilotprojekt in Markendorf liefert dafür wertvolle Erkenntnisse - und zeigt, wie digitale Methoden dazu beitragen können, Infrastrukturprojekte transparenter, effizienter und nachhaltiger zu gestalten.
